Bitte Vorsicht mit Pflanzen!

Eine Frau wird am frühen Nachmittag eingeliefert – Halluzinationen, Verwirrung, Herzrhythmusstörungen. Irgendeine Vergiftung – aber was? Sie waren gerade mit der ganzen Familie in einem Wirtshaus, könnte eine Pilzvergiftung sein? Ein Anruf beim Wirtshaus, Gespräch mit dem verstörten Ehemann, nein, sie hat keine Pilze gegessen. Aber irgendwas hat sie in den letzten zwei Stunden eingenommen…

Da fällt dem Ehemann der Löwenzahn ein – kurz vor dem Wirtshaus sah seine Frau einen Löwenzahn, pflückte die Blätter ab und aß sie auf. Die Giftinformationszentrale hat mehrere Vorschläge, was das gewesen sein könnte, ein erneutes Gespräch mit dem Wirtshaus, die Angestellten dort sind so freundlich, Bilder von verschiedenen Pflanzen zu machen und an die Giftinformationszentrale zu schicken. Da haben wir es: Die Patientin hat schwarzes Bilsenkraut gegessen, eine hochgiftige Pflanze, im Volksmund auch als Hexensalbe bekannt, wegen seiner berauschenden Wirkung.

Die Behandlung ist nur symptomatisch, mehr als Observation können wir nicht anbieten – da beginnt die Patientin sich zu erbrechen. Ich stehe da mit einer Speitüte und kann mich nur wundern: Da kommen unendliche Mengen an grünen Blättern hoch, die hat nicht nur diskret an einem Blatt genibbelt, die scheint eine ganze Staude verputzt zu haben. Wer geht mit seiner Familie zum Essen, freut sich auf eine gute Mahlzeit in einem schönen Wirtshaus, und sieht vor der Tür eine wildwachsende Staude mit vermeintlichem Salat und isst die Blätter auf?!?

Der Frau ging es einem Tag wieder gut – aber bitte, lasst die Finger von allem, wovon ihr nicht genau wisst, was es ist, gerade jetzt in der Pilzsaison!