Du fehlst mir, die Zweite

Heute kam die Sprache auf Matthias, und wie immer sind sich alle einig: Matthias fehlt uns, er fehlt jedem, es gibt hier keinen, der Matthias nicht vermisst. Jeder wünscht sich, Matthias würde zurückkommen. Und ich bin dabei in den Gesprächen, Matthias und ich stehen in Kontakt via SMS und E-Mail, ab und zu telefonieren wir miteinander, und ich denke, keiner vermisst Matthias so wie ich, keinem fehlt er so wie mir, dieser Freund, dieser Vertraute, dieser Fels in der Brandung. Matthias, der so wenig Platz einnimmt, hat eine riesige Lücke bei uns hinterlassen.

Er fehlt mir jeden Tag, jeden Tag sehe ich die Lücke, die Matthias hinterlassen hat, diese stille, freundliche, unvergleichliche Persönlichkeit, dieser unverbogene, unbestechliche, mutige Arzt, dieser verlässliche Freund, der leise Humor, den wir teilen, die klinischen Situationen, die Blicke, diese Verschworenheit zwischen uns, die Sprache, die wir teilen, die leisen Töne, das Gefühl der ständig offenen Tür, der ungeteilten Aufmerksamkeit. Es ist so schwer, Matthias zu beschreiben, aber wer Matthias trifft, vergisst ihn nicht.

Nein, Matthias und ich hatten nie „etwas miteinander“, wie geschwätzige Stimmen gerne behauptet haben. Ihr habt es nur nicht verstanden. Nichts lag uns ferner, wir waren tatsächlich immer nur Freunde. Aber Matthias war und ist einer der besten Freunde, die ich je hatte.

Ich stehe in Situationen und denke daran, wie Matthias sie gehandhabt hätte, ich höre Matthias, ich erinnere mich an die Zusammenarbeit in unserem gemeinsamen Verantwortungsbereich, während ich versuche, meinen neuzugeteilten Partner Kai zu Engagement zu treiben, denke an Matthias’ Ruhe und Gelassenheit, und er fehlt mir so sehr, dass ich kaum Worte finde für diesen Verlust, ich mag nicht ohne ihn.

Im März plane ich ein langes Wochenende in Deutschland, unter anderem will ich endlich mal den Ablauf in einem deutschen Krankenhaus und auf einer deutschen Intensivstation kennenlernen, und Matthias kann das organisieren. Zum anderen will ich endlich wieder mit Matthias ein Bier trinken gehen und über alles Mögliche reden.

Und ich hoffe unendlich, dass Matthias im September wiederkommt, so, wie er es letzten September versprochen hat. Ich mag nicht ohne ihn.

Du fehlst mir.