Pfoten weg!

Sexuelle Belästigung ist ja aktuell in aller Munde. Es gibt Leute, die tönen, das könne doch gar nicht sein, die Frauen übertreiben doch alle, soooo schlimm und so verbreitet wäre das sicher nicht.

Ich kenne keine Krankenschwester, die nicht irgendwann in ihrer Laufbahn sexuellen Anspielungen und Übergriffen von männlichen Patienten ausgesetzt war. Wir sprachen neulich darüber, nachts, und alle hatten etwas zu erzählen. Weiterlesen

Nimm du den schwarzen Peter…

Wie ich schon einmal beschrieben habe, gibt es in unserem Krankenhaus die MIG, die mobile Intensive Care Group, die ausrückt, wenn sich der Zustand eines Patienten auf der Station verschlechtert; es kommen dann die Intensivstationen zur Untersuchung des Patienten. Es gibt verschiedene Szenarien, die die MIG auslösen, wie sehr hoher oder niedriger Blutdruck, Atmungsfrequenz oder Puls, plötzliche Bewusstseinssenkung oder andauernde Krampfanfälle. Weiterlesen

Max aus Zimmer 2

Wir kommen zur Nachtschicht – in Zimmer 2 ein neuer Patient. Maximilian, 19 Jahre alt. Herzstillstand. Maximilian ist Elektriker und hat bei der Arbeit einen elektrischen Schlag abbekommen und fiel in sich zusammen, sein Herz stand still. Die 30-jährige Auftragsgeberin, bei der er die Arbeiten ausführte, hat unglaublich schnell reagiert, sie beherrschte Erste Hilfe, sie legte ihr Baby neben Maximilian, rief den Notruf und fing mit Herz-Lungen-Massage an, machte Mund-zu-Mund-Beatmung, hielt durch, bis 15 Minuten später der Notarztwagen eintraf. Ein Schock und Maximilian hatte wieder einen lebensgebenden Rhythmus, kam zu uns, und weil das vor zwei Jahren noch Standard bei uns war, wurde seine Körpertemperatur auf 33 Grad gesenkt, 24 Stunden lang. Weiterlesen

Lichtblicke

Die Intensivstation ist kein besonders heiterer Ort. Wir haben eine Mortalität von rund 30 Prozent, das ist recht hoch. 3 von 10 Patienten verlassen unsere Station nicht mehr, wie viele noch im Nachverlauf sterben, weiß ich nicht. Wir streben tatsächlich eine Mortalität von 30 % an, denn die bedeutet, dass wir die richtigen Patienten aufnehmen. Eine niedrigere Mortalität würde bedeuten, dass wir zu „gesunde“ Patienten aufnehmen, dass wir Patienten zu uns holen, die die Intensivmedizin nicht brauchen. Eine zu hohe Mortalität bedeutet, dass wir Ressourcen auf zu kranke Patienten setzen.

Das ist alles Statistik; was ich sagen will, viele unserer Patienten sterben, viele leben weiter mit verringertem Funktionsniveau, und dann gibt es die, die es ohne Beeinträchtigungen schaffen. Das sind unsere Lichtblicke. Weiterlesen

Du fehlst mir

Ich schreibe immer über Björn, und das ist eigentlich gar nicht so geplant. Björn ist einfach der Arzt, der den größten Abdruck und Eindruck hinterlässt, Björn, der so viel Platz einnimmt, so charismatisch und enigmatisch ist, der alles durchdringt und immer überall sichtbar ist, diese farbenschillernde Persönlichkeit, die mich zum Leuchten bringt und mich jeden Tag aufs Neue herausfordert, immer Herausforderung zwischen uns, immer an der Grenze, immer Dissonanzen und doch Einklang, immer voller Spannung, Vertrautheit, Spannung, Konflikt, Diskussion, Verständnis und Ungeduld – diese eigenartige Freundschaft zwischen uns, die sich über Jahre entwickelt hat. Wir sind Gegenpole, Björn und ich. Weiterlesen

Neun Leben

Er kam am Nachmittag, im November, es war dunkel, beinahe Zeit für die Tagschicht, nach Hause zu gehen. Eine Schießerei in einem Vorort, schwerverletztes Opfer.

Schwerverletzt war eine Untertreibung. Wir sehen immer noch eher wenig Schussverletzungen, verglichen mit anderen Ländern, aber sie werden immer mehr. Er war vielleicht 20 Jahre alt, von sieben Kugeln getroffen. Er war fast tot, als er zu uns in den Traumasaal kam. Weiterlesen