Schlagwort-Archiv: Stationsalltag

Sex-Tourette

„Du bist hübsch, ich will dich lecken.“

Ich seufze. Ich weiß, Finn kann nichts dafür, aber auf Dauer ist das doch irgendwie nervtötend…

Finn hat einen schweren Unfall hinter sich und eine Verletzung des Frontallappens im Gehirn erlitten. Dieser Bereich ist unter anderem für die Impulssteuerung zuständig, und dazu gehört auch ein korrektes „Schamempfinden“, wenn man es so nennen kann. Weiterlesen

Sanna

Ich werde es nie können, nie verstehen, nie alle Puzzleteilchen an den richtigen Platz legen können.

Sanna stirbt heute. Sanna ist 29 Jahre, Sanna hat eine 12-jährige Tochter, die bei ihrem Vater lebt, denn Sanna steckt fest im Heroinmissbrauch. Sannas Mutter hat alle Höhen und Tiefen hinter sich, Jahre eines Lebens mit einer abhängigen Tochter, die plötzlich verschwindet, Geld von zuhause klaut, nach einer Woche irgendwo auf der Straße aufgefunden wird und dann in einer Entzugsklinik landet, verspricht und hofft, von vorne anzufangen, es ein paar Wochen oder Monate lang schafft, einen Job sucht, und dann wieder verschwindet, weil sie diesem Leben nicht standhalten kann. Weiterlesen

Von Kaffeemaschinen und Ärzten

Unsere Station hat eine tolle neue Kaffeemaschine. Sie kann alles – außer die Tassen spülen. Ein chromblitzender Tausendsassa mit unendlich vielen spannenden und verwirrenden Knöpfen, Klappen und Vorrichtungen. Ich habe mich schon Stunden mit ihr vergnügt.
Nun muss dieses Wundergerät aber auch gereinigt werden, und zwar TÄGLICH. Das Thema wird im Stationsmeeting zur Sprache gebracht. Weiterlesen

Das ist ja lebensgefährlich!

Als ich vom Essen zurückkomme, ist eine neue Patientin da – Getrud, 91 Jahre alt. Sie hat eine allergische Reaktion auf das Röntgenkontrastmittel, das sie in der Radiologie bekommen hat, ist in heller Aufregung, denn die allergische Reaktion zieht die Bronchien zusammen – Medikamente, inhalieren, Cortison. Gertrud ist übel und sie erbricht sich, das alte Herz rast von der Adrenalininjektion. Weiterlesen

Der ganz normale Wahnsinn – als Krankenschwester auf Station

Ich will gleich mal vorwegschicken: Ich mag Patienten. Ansonsten wäre ich ja wohl im falschen Job. Kranke Menschen sind meine Arbeit. Und es ist eine schöne Arbeit. Ich sehe, dass das, was ich tue, einen Sinn hat, Menschen hilft, ihr Leiden vielleicht ein klein wenig erträglicher macht. Und die meisten meiner Patienten sind liebenswerte, freundliche, intelligente, höfliche und angenehme Menschen, mit vielen hat man tolle Gespräche, einen feinen Kontakt in all dieser Hektik, eine manchmal fast schon zärtliche, fürsorgliche Beziehung, manche berühren mein Herz ungeheuer, und es macht mir Freude, jeden Tag. Und das sind mindestens 90 Prozent. Aber von denen erzähle ich natürlich nur selten.

Es gibt nämlich noch die andere Gruppe. Ein Klinikaufenthalt wird von gewissen Zeitgenossen als eine Art Gratis-Urlaub betrachtet. Und zwar einer mit Rundum-Service bis ins kleinste Detail. Das muss so eine Art Geheimtipp sein… Die Erwartungshaltung, die bei einem Teil der Patienten herrscht, ist gelinde gesagt ziemlich irritierend. Echt toll, diese Rundumversorgung, oder wie? Auf einmal muss man sich um GAR NICHTS mehr selber kümmern, das Pflegepersonal wird behandelt wie Putzlappen, die Ärzte wie persönliche Bedienstete. Was einem als Krankenschwester auf Station so alles passiert, spottet manchmal jeder Beschreibung. Weiterlesen