Über mich

Elina Gehrmann

Seit über zehn Jahren arbeite ich in der Krankenpflege; in dieser Zeit habe ich mehrere Länder, ein Dutzend Kliniken, Hundertschaften von Kollegen und unzählige Patienten kennen gelernt. Derzeit bin ich tätig in einer großen Universitätsklinik irgendwo in Nordeuropa. Genauere Angaben verbietet die Schweigepflicht. Auf diesem Blog erzähle ich von meinen Erfahrungen – Lustiges wie Trauriges, Banales wie fast Unglaubliches.

Davon hat mein Beruf mehr als genug zu bieten – er ist jeden Tag anders, fürchterlich anstrengend und unglaublich lohnend zugleich. Es macht mir Freude, Menschen zu helfen, mir gefällt die Action, die ständige Herausforderung. Manchmal ist es einfach knüppelhart, weil ich immer wieder Menschen leiden und sterben sehe, denen ich nicht helfen kann. Paradoxerweise ist das aber mit ein Grund, warum ich diesen Beruf ausübe. Ich arbeite absichtlich in den Bereichen, in denen die Herausforderung am größten, die Versagenswahrscheinlichkeit am höchsten ist: in der Neurologie, der Neurochirurgie, der Kardiologie, der Anästhesie, der Intensivmedizin. Es gäbe sicher Felder, auf denen das Krankenschwesterdasein leichter wäre – doch die sind (noch) nichts für mich.

Jede Krankenschwester, die voller Idealismus in den Beruf einsteigt, muss lernen, sich abzugrenzen. Litte man mit jedem Patienten mit, man würde wahnsinnig, depressiv, arbeitsunfähig. Aber es gibt eine Gruppe, die mir ans Herz gewachsen ist, und es gibt die winzige Gruppe, die etwas ganz Besonderes für mich war, wo ich nicht nur mitgefühlt, sondern mitgelitten habe bis zum letzten Moment. Patienten, die mich fast in die Knie gezwungen haben, die ich immer noch vor mir sehen kann, wenn ich die Augen schließe. Vielleicht brauche ich das ab und zu, alle paar Monate mal. Denn was wäre ich für eine Krankenschwester, wenn das Mitleid abhanden käme?

Natürlich gibt es auch die Gruppe der Patienten, die a) einfach nervig, b) eigentlich gar nicht wirklich krank, c) urkomisch oder d) schlicht und ergreifend unausstehlich sind. Möglicherweise bekommen Sie beim Lesen den Eindruck, die Klinikwelt bestünde ausschließlich aus ihnen. Glauben Sie mir, dem ist nicht so. Aber wie das immer so ist, die Netten, Unauffälligen, die bleiben einem nicht so im Gedächtnis. Ganz anders mit der kleinen Gruppe Patienten, die man zutiefst verabscheut, die einem so unsäglich unsympathisch sind, man möchte am liebsten kündigen, um denen zu entkommen. Tja, und ebenso wie die Patienten, die einen zutiefst berühren, bleiben sie mir stärker in Erinnerung – eben die intensiven Geschichten, sowohl die traurigen als auch die ärgerlichen, und natürlich die lustigen. Und glauben Sie mir, es ist gut, dass es auch die lustigen gibt – denn in diesem Beruf lacht man oft genug, um nicht zu weinen!

Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Lesen – und hoffe, dass wir uns nie im Krankenhaus begegnen werden.