Von Dankbarkeit und Geschenken

Wenn man schon über entlassene Patienten spricht, dann muss man auch die Geschenke erwähnen, die wir von dankbaren Patienten und Familien bekommen.

Wir freuen uns über alles – es ist immer gut gemeint, es ist ein Zeichen von Anerkennung und Dankbarkeit, es kommt wirklich von Herzen.

Immer beliebt sind Schokolade, Kekse, Kuchen, Torten. Wir essen wirklich alles, hier bleibt nichts liegen, keine Sorge. Wir freuen uns auch über Blumen, die unser etwas abgeranztes Personalzimmer ein bisschen aufhellen. Viele spenden auch Geld in unsere Kaffeekasse.

Erstaunt waren wir, als ein Patient, der Hundezüchter war, uns einen Welpen schenken wollte, einen Labradoodle. Es war sicher lieb gemeint, aber – ein Hund? Für uns alle? Auf der Intensivstation?!?

Ein anderer kam an mit zwei Kinokarten – die Geste zählt, aber zwei Kinokarten für x Ärzte, Krankenschwestern und Schwesternhilfen? Ein bisschen schwierig.

Ein anderer kam zurück, mit Blumen, und seiner Gitarre, und wollte uns aus Dankbarkeit ein Lied singen – mitten am Tag fing er im Flur an zu singen, lauthals, und er war nicht gerade ein begnadeter Sänger…

Ein anderer hinterließ 2 Gedichtbände, die er selbst geschrieben, illustriert und im Selbstverlag herausgebracht hatte. Die Gedichte waren etwas eigenartig, und keiner hat auch nur irgendwas davon verstanden, was da stand.

Was mich wirklich traurig gemacht hat, kam von einer Familie, wo die Mutter, in den Fünfzigern, mit Leberversagen eingeliefert worden war und innerhalb von 24 Stunden starb. Abends kam die Familie, ihr Ehemann und ihr erwachsener Sohn, mit einer wunderschönen Apfelkiste, so eine Kiste, wie man sie in den Auslagen von Feinkostläden sieht, solchen Läden, wo man selber nie was kaufen würde, weil es so teuer ist. Die Kiste war gefüllt mit den feinsten Sachen – Käse, Cracker, Marmeladen, Chutneys, Aufstriche, erlesener Schokolade, so viele wunderschöne Feinkostwaren, und wir standen vor der Kiste, beinahe geschockt und beschämt über dieses Geschenk, das muss so fürchterlich, so astronomisch teuer gewesen sein, und wir hatten es doch kaum verdient, sie war nur 24 Stunden bei uns, und wir konnten ihr nicht helfen. Scheinbar hatten wir aber doch der Familie helfen können…