Das ist ja lebensgefährlich!

Als ich vom Essen zurückkomme, ist eine neue Patientin da – Getrud, 91 Jahre alt. Sie hat eine allergische Reaktion auf das Röntgenkontrastmittel, das sie in der Radiologie bekommen hat, ist in heller Aufregung, denn die allergische Reaktion zieht die Bronchien zusammen – Medikamente, inhalieren, Cortison. Gertrud ist übel und sie erbricht sich, das alte Herz rast von der Adrenalininjektion.

Gertrud wiegt 45 Kilo und kann nicht größer als 150 cm sein, sie sieht aus wie ein kleiner Vogel in dem großen Bett, und ich frage mich voller Sorge, ob eine 91 Jahre alte Frau wohl eine Anaphylaxie übersteht – aber Gertruds Sorge gilt jetzt ihrem künstlichen Gebiss, das jemand rausgenommen hat, als sie in die Radiologie das Bewusstsein verlor!

Natürlich soll sie sich nicht noch weiter aufregen, also suchen wir hektisch, finden das Gebiss schließlich in einer Plastiktüte in ihrer Handtasche. Zufrieden sagt sie: “Jetzt kann ich wieder lächeln!”

Dann fragt sie, was passiert ist. Ich erkläre. Nein, Allergien hat sie keine! “Doch”, sage ich, “jetzt schon.”

“Meinen Sie, ich sollte eine einfache Röntgenuntersuchung machen, und lande auf der Intensivstation?” Gertrud sieht sie sich um, nimmt ihre kleine Handtasche, schwingt die Beine über die Bettkante und sagt entschlossen: “Ich muss hier raus. Das ist ja lebensgefährlich hier!”

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