Federflug

Manchmal haben geringfügige, kleine Unfälle verheerende, fürchterliche, invalidisierende Folgen. Und manchmal kommen die Unfälle, die gigantisch sind, und es wird ein beinahe unverletzter Mensch hereingeschoben.

Eine 90jährige Frau wird uns gebracht, die vom Bahnsteig unter eine heranrollende Bahn stürzte, meterweit unter dem Zug mitgeschleift wurde und nach 45 Minuten Rettungsarbeit endlich von den Schienen gehoben werden konnte – bei dieser Beschreibung wird mir fast übel. Ich habe Zugunglücke gesehen, die ich weder beschreiben kann noch will. Aber Gerlinde kommt mit einer Fraktur im Oberschenkelknochen und einer kräftig blutenden Platzwunde an der Schläfe zu uns, beinahe absurd leicht verletzt, so dass sich eine gewisse Nervosität im Traumasaal breitmacht – übersehen wir etwas? Ist hier irgendwo eine entsetzliche Verletzung, die uns nicht auffällt? In der Hektik, es muss schnell gehen, sie muss ins CT, vergisst die OP-Schwester, dass man Daunenjacken niemals aufschneiden darf. Über uns geht ein Schneesturm von Daunen nieder, das gesamte Team wedelt wild – und Gerlinde, mit ihrer blutenden Platzwunde, Blut im Gesicht, in den Haaren, sieht auf einmal aus wie ein Hühnchen…. in so einer Jacke sind erstaunlich viele Daunen!