Ich glaube, ich werde alt…

Ein paar Dinge gibt es an meinem neuen Arbeitsplatz, die mich wirklich erstaunen. Vieles davon liegt daran, dass praktisch alle Krankenschwestern zwischen 22 und 38 Jahre alt sind. Ich glaube, ich werde wirklich alt.

Zum einen sind es die Augenbrauen. Ich hab da wirklich was verpasst, glaube ich, alle malen sich dicke, breite, fast blockförmige Augenbrauen. Hat man das jetzt? Beliebt sind auch künstliche Wimpern, je mehr, desto besser.

Viel ernsthafter ist die absolute Besessenheit mit den Smartphones. Wir haben jetzt schon einige Male darüber gesprochen, dass das Smartphone in der Tasche bleibt, solange man nicht im Personalzimmer ist. Es sieht einfach unglaublich nonchalant aus, wenn das Personal ständig das Telefon in der Hand hat, außerdem ist Arbeitszeit die Zeit, wo man sich nicht mit privaten Dingen beschäftigt.

Facebook und Instagram sind wichtig für meine Krankenschwestern. Auch darüber sprechen wir – dass man vorsichtig sein muss, was man in den sozialen Medien schreibt, und dass es tatsächlich eine Policy für Angestellte gibt. Die eine kommentiert Patienten, die andere veröffentlicht Bilder. Viel wird auch in einer internen Gruppe diskutiert, und da werden anscheinend auch ordentlich Konflikte ausgetragen. Es ist kaum zu kontrollieren und so kontraproduktiv, auf einmal sind alle zurück im Grundschulalter, und alle zicken sich an. Sie können auch ordentlich gemein sein, und wir sprechen viel darüber, dass es so viel leichter ist, im Internet über jemand zu schreiben, als einen Konflikt mit dem Gegenüber konstruktiv zu lösen.

Ordentlich Feuer im Kollegenkreis machen auch ein paar extrem ehrgeizige junge Damen, für die alles ein Wettbewerb zu sein scheint. Jede Entscheidung löst Konflikte und Tränen aus – wir schicken zwei Mitarbeiterinnen auf eine Fortbildung, und verbringen dann eine Stunde damit, den anderen, die sich jetzt zurückgesetzt fühlen, zu erklären, dass die Entscheidung keine Wertung war, sondern eine individuell angepasste Lösung, die wir gemeinsam beschlossen haben. Theresa darf eine Weiterbildung besuchen, Adrienne geht in die Luft, als sie das hört, und ich komme kaum mit. Adrienne hat kein Interesse an dieser Weiterbildung gezeigt, aber sie erträgt es nicht, dass eine andere Kollegin hingehen darf und damit eine Kompetenz haben wird, die sie nicht hat.

Jeder kleine Misserfolg hat Tränen zur Folge, jeder Konflikt wird dramatisiert, und alles wird sofort auf Facebook veröffentlicht.

Manchmal komme ich mir vor wie im Kindergarten, wo man genau aufpassen muss, dass alle Kinder genau das Gleiche bekommen. Was ist es an der Generation der 90er, dass so viele sich sofort benachteiligt fühlen, immer die Besten sein wollen und sich vor allem ‘instant success’ erwarten? Gleichzeitig scheint das Selbstwertgefühl ziemlich niedrig zu sein und sehr an Leistung gekoppelt.

Es ist einfach problematisch, wenn ein Arbeitsplatz einen so hohen Personalumsatz hatte, dass jetzt alle zwischen 22-28 Jahre alt sind und alle maximal ein Jahr Berufserfahrung haben… eins ist sicher, langweilig wird es nie…