Mein Arzt ohne Grenzen

Mein Lieblingsarzt Björn ist mit einer Hilfsorganisation in einem Kriegsgebiet.

Björn ist für mich der Arzt aller Ärzte, der Meister der Meister. Björn ist außerdem Chefarzt, Björn ist mein Freund und Berater, Björn ist hektisch, hitzig, launisch, cholerisch, eisenhart und unerwartet verletzlich, Björn ist brillant und erwartet nichts anderes von mir.

Björn und ich haben einer dieser eigenartigen Freundschaften, die es in diesem Beruf gibt – wenn wir uns außerhalb der Arbeit sehen, erkennen wir uns kaum, uns privat zu treffen fiele uns nie ein, aber in diesen Räumen sind Björn und ich das beste Team. Ich weiß, was er denkt, ich weiß, wie er denkt. Ich weiß, was er braucht, bevor er es sagt und ich weiß, was er sagen will. Ich höre an seinem Schritt, dass er den Flur hochkommt, ich weiß, dass er bis 16:00 Cola light trinkt und dann nur noch Tee, ich weiß, dass er keine Süßigkeiten isst außer einer ekligen Sorte Geleebananen, die NIEMAND außer ihm isst.

Wenn es irgendwo Probleme gibt, dann holt Björn mich, wenn Björn in schwierigen Situationen alle überfordert, dann holen meine Kollegen mich, und wenn ich nicht mehr weiterweiß, dann rufe ich Björn an, ich weiß, dass er kommt. Ich vertraue Björn blind, stumm und taub. Ich weiß, dass wenn alles schiefgeht, dann steht Björn immer noch wie ein Fels in der Brandung.

Björn und ich haben leidenschaftliche Diskussionen, wir lachen, wir haben unsere gemeinsamen Witze, die nur wir verstehen, wir haben unsere Wortspiele, unsere Stichwörter. Björn und ich ergänzen uns, wir greifen wir Zahnräder ineinander und verlangen Bestleistungen voneinander. Björn ist für mich ein Held der Wirklichkeit.

Björn macht mich zur besten Krankenschwester, die ich überhaupt nur sein kann.

Björn ist mit einer Hilfsorganisation in einem Kriegsgebiet, und ich weiß, dass sie dort Ärzte wie ihn verzweifelt brauchen. Ich weiß, dass andere ihn mehr brauchen als ich, dass er dort mehr für viele tut, aber ich kann nicht ohne Björn, ich brauch ihn hier. Er fehlt mir, ich habe fürchterliche Angst, er könnte nicht zurückkommen aus Bombenhagel und Gewehrsalven, und gleichzeitig weiß ich, er wäre nicht der Arzt, der Mensch, der er ist, wenn er diesen Einsatz nicht machen würde, und ich stehe ich stumm, dankbar und demütig vor diesem Mut und Hingabe, den manche haben und der mir fehlt, und ich bin stolz, ein paar von ihnen zu kennen und als Freunde bezeichnen zu können.

Ich bewundere euch so, ihr alle, die ihr bei irgendwelchen Hilfseinsätzen irgendwo auf dieser Welt unterwegs seid, wo Bomben fallen, wo Kinder fliehen müssen, wo die Menschen verhungern, verbluten, an Infektionen sterben, die wir einfach behandeln könnten. Ihr seid meine Helden.

Wer es noch nicht ist, sollte monatlicher Spender bei Ärzte ohne Grenzen werden.