Mit gezücktem Rotstift

Wie jedes Jahr: Wir müssen sparen im Krankenhaus. Ich bin gestresst, alle sind gestresst. Jeden Tag landen neue Dokumente und Entscheidungen auf meinem Tisch. Wir haben das Budget weit überschritten. Das hat man scheinbar erst im September festgestellt, da waren die Zahlen kräftig rot, vorher hat man das wohl nicht gemerkt. Und jetzt kommen Sparpakete, Panik, Meetings, Diskussionen, wo können wir sparen? Es wird über Produktion gesprochen, womit eigentlich Krankenversorgung gemeint ist.

Ich mache das jetzt schon so viele Jahre lang mit, es ist immer das Gleiche. Die Angestellten, die nicht direkt in der Pflege arbeiten, sondern nur in der Administration, wissen immer genau, wo gespart werden kann: am Personal. Also, am Pflegepersonal. Nie am administrativen Personal. Es wird über effektivere Arbeitsweisen gesprochen, über Work Shifting, es wird viel gesprochen. Viele Leute sprechen. Vor ein paar Tagen habe ich einen Punkt in der Klinikleitung vorgetragen, da sassen 16 Leute. Wie sollen 16 Leute eine effektive Entscheidung fällen können? Was kostet ein Meeting, das 4 Stunden dauert, für 16 Leute?

Wir mussten eine Stelle abbauen, unseren Assistenten. Keine pflegerische Ausbildung, sondern ein Alleskönner, der sozusagen den Bodenservice auf der Station erledigt hat – Materialbestellungen, Maintenance, Organisation, alles. Man musste ihn nur auf etwas aufmerksam machen, schon war es erledigt. Er fehlt uns bitterlich. Und dann kommt der Knaller: In einem Meeting wurde erwähnt, dass wir jetzt erfolgreich Geld gespart hätten durch den Abbau dieser Stelle, und es wurde elegant vermieden zu erwähnen, dass wir in der gleichen Klinik aus einer Chefarztposition zwei gemacht haben! Mir stand wirklich der Mund offen, wir bauen eine schlecht bezahlte Stelle ab, machen aus einer Chefposition zwei und behaupten, wir sparen gerade Geld?!?

Wir sprechen viel über gesteigerte Produktion, als ob unsere Patienten abgefertigt würde wie in einer Fabrik. Wir rechnen aus, dass wenn wir die Patienten 4,2 Stunden früher nach Hause schicken, so und so viel Geld sparen. Es soll an Krankenschwestern gespart werden und an Schwesternhilfen. Die Kosten für Neuanstellungen und Introduktion werden nicht erwähnt, aber wenn wir das Personal kürzen, wird auch Personal kündigen.

Die Entscheidungen sind immer die kurzsichtigsten, die uns gerade in den Januar retten. Wir haben nie einen langfristigen haltbaren Plan, wir haben immer nur kurzfristige Lösungen – wir schaffen jetzt beispielsweise die Pappbecher ab. Das wird sicher die Situation lösen. Und ich sehe mein Personal und unsere Patienten und frage mich, was mit denen jetzt passieren wird. Und meine Möglichkeiten, dass zu beeinflussen, sind so begrenzt.