News von der Patientenfront

Momentan bin ich Krankenschwester und Patientin in Personalunion, seit meinem unglücklichen Zusammentreffen mit einem LKW. Ich fange an, mich an den Alltag mit Orthese zu gewöhnen. Ich trage die *PC-Brace* rund um die Uhr, Tag und Nacht. Die wenigen Momente, wo ich sie abnehme, sind, um mich umzuziehen oder zu duschen. Anfangs war ich zu stolz und habe den Duschhocker abgelehnt, aber ich darf nicht belasten, wenn ich die Orthese nicht trage, also habe ich ein paar Tage lang wie ein Flamingo auf einem Bein balancierend geduscht. Dann bin ich ausgerutscht in meinem winzigen Badezimmer und habe ich gerade noch am Waschbecken festhalten können. Am selben Tag kam ein Duschhocker ins Haus…

Die härteste Zeit liegt schon hinter mir – die ersten drei Wochen durfte ich nicht belasten. Auf Krücken bei jedem Schritt, die Schultern tun weh von der ungewohnten Belastung, jeder Gang ist hart, Einkaufen unmöglich, Schmerzen im Knie, jeder Schritt tut weh. Alles tut weh. Der Alltag forderte ungeheuer viel Kraft, und ich wollte nicht krankgeschrieben werden – ich arbeite ja nicht mit Patienten. Ich kann nicht krankgeschrieben sein, dann liege ich nur auf dem Sofa und esse den Kühlschrank lehr. Das geht nicht. Auf Krücken durch die Station, hinsetzen wann möglich. Glücklicherweise hatte ich durch Zufall die ersten zwei Wochen eine Studentin in der Weiterausbildung, die mir die Kaffeetasse tragen konnte… 😂

Die Wochen mit Krücken habe ich nur hingekriegt durch die Hilfe einer lieben Nachbarin, die für mich einkaufen ging, und einer fantastischen Freundin, die am Wochenende zu mir zum Putzen, Einkaufen und Kochen vorbeikam. Alles wird einfacher mit eingefrorener Blumenkohllasagne im Tiefkühler….

Die erste Woche habe ich mich noch mit den Bussen herumgeschlagen – morgens um 06:30 ging es noch, nachmittags hat die 2,6 km Fahrt über eine Stunde gedauert, und hinterher habe ich vor lauter Erschöpfung eine Stunde schlafen müssen. Jetzt kriege ich die Taxifahrten zu und von der Arbeit von der Kasse bezahlt, das erleichtert meinen Alltag enorm und lässt auch noch Energie für anderes übrig.

Die Krankengymnastik frisst gerade meine Zeit. Es gibt nichts Langweiligeres als Krankengymnastik. Es ist anstrengend, schweißtreibend, es ist langweilig und es muss gemacht werden. Rehabänder, Gummibälle, Roller. Noch mal 10 Wiederholungen. Es ist fürchterlich.

Mein Bein ist ganz dünn geworden. Ich wusste natürlich, dass man Muskeln verliert, aber das Tempo hat mich dann doch erschreckt. Mein Bein sieht aus wie ein haariges Hühnerbein, ganz mager und verkümmert, und weil das Rasieren so schwierig ist gerade, lasse ich es sein. Außerdem juckt es ständig, wenn ich die Orthese abnehme, dann könnte ich mir die Haut mit den Fingernägeln abschaben.

Aber es geht – ich kriege es hin. Es funktioniert. Und ich habe noch immer große Hoffnung, dass das Band abheilt und zusammenwächst, und dass keine OP notwendig ist. Also mache ich weiter.