Scheue keine Mühe, um eine Mühe zu scheuen…

Ich denke, jede Krankenschwester hat eine Kollegin wie Melanie – Melanie, die Meisterin des gesamten Universums in der Kunst, andere ihre Arbeit machen zu lassen.

Melanie ist langsam – so langsam, dass die Uhren stehenbleiben. Melanie geht langsam, sie streicht ihr Butterbrot langsam, sie SCHAUT langsam! Ich bin davon überzeugt, dass das zumindest zum Teil eine Strategie ist…

Ich sitze nachts um eins auf der Herzintensiv, da kommt Clara in Aufruhr, du musst kommen, Akutintubation im Saal 12. Natürlich, ich komme, ich hab ja selber nur vier Patienten…  Im Saal reicht ein Blick – das geht schief. Eine aschgraue Patientin, Aktivität, Medikamente werden aufgezogen, Melanie kommt rein, rückt sich einen Hocker zurecht und fängt an, die Perfusoren zu primen. Muss man dafür SITZEN? Wir haben Eile, aber setz dich nur hin, das passt schon. Der Rest bleibt mir überlassen, Melanie sieht mir zu, Björn sieht aus, als würde er gleich einen Schlaganfall bekommen. Das ist nicht die Zeit für Diskussionen, man tut, was zu tun ist – Intubation und dann in die Angiographie, und ich weiß, dass das nicht geht mit Melanie und Björn, also biete ich an, mitzukommen. Melanie meint, dann könne sie ja einen Kaffee trinken gehen.
?!?
Äh, ich dachte, ich gehe MIT dir, nicht FÜR dich, aber gleichzeitig weiß ich, dass Melanie mich wahnsinnig machen wird da oben in der Angiographie…

Nach zwei Sunden PCI wieder auf die Intensiv, Melanie sitzt auf einem Stuhl und erwartet uns. Ein Swan-Ganz, ein PA Katheter soll gelegt werden. Nichts ist vorbereitet, Björn sieht verzweifelt aus, sein Blick ist flehend, es ist jetzt fast halb vier und er arbeitet seit 20 Stunden. Okay. Ein PA-Katheter ist etwas kompliziert, viele Kabel, ich drehe mich um und sehe durch die Fensterscheibe Melanie auf ihrem Stuhl sitzen. Mein Blick über den Mundschutz muss finster gewesen sein, Melanie erhebt sich schwerfällig, steckt den Kopf herein und fragt, wie es läuft. Naja, ich dachte, dass du vielleicht im Saal sein kannst, es ist ja schließlich DEIN Patient! Außerdem, wenn sie es nicht selber kann mit dem PA, dann ist das doch eine ausgezeichnete Gelegenheit, es zu lernen? Melanie sitzt schon wieder auf einem Hocker in der Ecke und ich werde langsam so sauer, dass ich gar nichts mehr sagen kann, das geht nur schief, wenn ich jetzt den Mund aufmache.

Ich mache das für die Patientin und für Björn, nach 20 Minuten ist alles erledigt, Björn kann gehen, um ein oder zwei Stunden zu schlafen. Ich kalibriere den Apparat, Melanie sieht mir zu. Als ich den Saal verlasse, sage ich noch, dass ich zurück auf die Herzintensiv gehe, Melanie sagt „okay“ (?!?), und hinter meiner Stirn brennt fast eine Sicherung durch – und ich sage „bitteschön, Melanie, kein Problem – in solchen Situationen bedankt man sich normalerweise!“.

Ich kann einfach nicht mit solchen Leuten… hey, don’t worry, you’re fine, just sit down and have a rest, of course I’ll do it for you…