Schlagwort-Archiv: Arzt

Die Konferenz

Chirurgische OP – Herrmann Röttgers, ein in Ehren ergrauter Chirurg, um die 60, würdevoll, seriös, immer korrekt, sagt zum Springer Helena, im selben Alter: “Ach, kannst du nicht schnell Johann anrufen und ihm sagen, dass ich ihn und Sven zur GI-Konferenz angemeldet habe?” GI steht für Gastrointestinal, die Verdauungsorgane betreffend.
Helena wendet sich zum Telefon, wählt und sagt mit lauter, deutlicher Stimme: “Ich soll ausrichten, dass Herrmann dich und Sven zur Gay-Konferenz angemeldet hat.”

Der ganze Saal stutzt, keiner wagt es, etwas zu sagen. Ich verschwinde diskret hinter meinem Narkosebogen, weil ich so lachen muss…

Der beste Kollege der Welt

Kollegiale Freundschaften im Krankenhaus sind oft etwas ganz Spezielles, und so eine habe ich mit Björn.

Björn und ich sind ein unschlagbares Team – wir greifen immer wie Zahnräder ineinander. In kritischen Situation, wenn die Wogen hoch schlagen und das Stressniveau am Anschlag ist, sehen wir im gleichen Augenblick hoch, finden einander in einer Millisekunde, verständigen uns in einem Saal, in dem 15 Leute durcheinander schreien und hektisch hantieren, mit den Augen, wissen, was wir brauchen, wissen, was wir wollen, wissen, was wir als nächstes tun sollen, sehen immer den nächsten Schritt gemeinsam. Wir verständigen uns ohne Worte, ein Handgriff folgt dem anderen, ein Nicken, ein Augenkontakt, ein Blick reicht, und es funktioniert. Wir haben schon viele Verläufe geändert, spektakuläre Fälle, wir haben schon viele Leben gerettet. Immer zusammen, immer als das beste Team, das es überhaupt nur geben kann. Weiterlesen

Der rosa Arzt

Wir laufen auf Hochtouren. Ich glaub es nicht, es ist erst 7:20, die Tagschicht hat gerade angefangen und verschafft sich einen Überblick, und es ist schon Chaos. Wir haben zu viele Patienten und zu wenig Betten. Die Stationen sind voll belegt, die Notaufnahme ist voll. Alles ist voll, keiner kommt irgendwo hin.

Außerdem haben wir heute Nacht alle Telefonnummern erneuert. Kein Scherz, das Krankenhaus ist auf ein neues System umgestiegen, alle Nummern sind erneuert, keine Nummer, die ich kenne, führt mehr irgendwohin, und keine neue Nummer führt dahin, wo sie soll. Weiterlesen

Nie wieder gut

Eben wies mich jemand auf das hier verlinkte Bild im Internet hin. Es zeigt einen Arzt, der eben einen Patienten im Teenageralter verloren hat.

Dieses Bild ist für mich wie ein Tritt in den Magen. Ich habe so viele Ärzte in dieser Situation gesehen, regelrecht zu Boden gezwungen von der Gewalt solcher Momente. Und ich habe selbst auch schon solche Momente erlebt.

Warnung vor dem Weiterlesen: Das ist eine knüppelharte Geschichte! Wer das Wort Blut nicht aushält, sollte hier aufhören. Weiterlesen

Gute Ausländer, schlechte Ausländer?

Flüchtlingskrise, Migration, alles was damit zusammenhängt, beherrschen seit Monaten die Medien. Diskutiert wird sachlich bis so himmelschreiend unsachlich, dass man weinen möchte. Ich sehe, dass das Ganze eine riesige Herausforderung ist, die uns noch lange begleiten wird. Ich sehe, dass es Probleme gibt. Ich weiß, dass es Flüchtlinge gibt, die eine problematische Einstellung zu unseren Werten, zu Frauen, zu unseren Gesetzen etc. mitbringen. Ich sehe, dass nicht jeder, der bei uns ankommt, wirklich ein Anrecht auf Asyl und Hilfe hat. Weiterlesen

Flo – das Genie mit dem Wahnsinn

Kaum eine Stunde später habe ich schon wieder die Ehre.Flo hat einen Patienten aufgenommen, unklare Bewusstlosigkeit, und da mein bisheriger Patient heute auf die normale Station entlassen wurde, habe ich die A..karte und darf den Neuen nehmen. Noch bevor wir den Patienten von der Bahre ins Bett gelegt haben, will Flo hundert Dinge erledigt haben, am liebsten alle jetzt gleich. Sofort! „Ja, sicher, Flo, mach ich, aber ich muss ihn erst mal ins Computersystem aufnehmen.“ Weiterlesen

Von Kaffeemaschinen und Ärzten

Unsere Station hat eine tolle neue Kaffeemaschine. Sie kann alles – außer die Tassen spülen. Ein chromblitzender Tausendsassa mit unendlich vielen spannenden und verwirrenden Knöpfen, Klappen und Vorrichtungen. Ich habe mich schon Stunden mit ihr vergnügt.
Nun muss dieses Wundergerät aber auch gereinigt werden, und zwar TÄGLICH. Das Thema wird im Stationsmeeting zur Sprache gebracht. Weiterlesen

Der ganz normale Wahnsinn – als Krankenschwester auf Station

Ich will gleich mal vorwegschicken: Ich mag Patienten. Ansonsten wäre ich ja wohl im falschen Job. Kranke Menschen sind meine Arbeit. Und es ist eine schöne Arbeit. Ich sehe, dass das, was ich tue, einen Sinn hat, Menschen hilft, ihr Leiden vielleicht ein klein wenig erträglicher macht. Und die meisten meiner Patienten sind liebenswerte, freundliche, intelligente, höfliche und angenehme Menschen, mit vielen hat man tolle Gespräche, einen feinen Kontakt in all dieser Hektik, eine manchmal fast schon zärtliche, fürsorgliche Beziehung, manche berühren mein Herz ungeheuer, und es macht mir Freude, jeden Tag. Und das sind mindestens 90 Prozent. Aber von denen erzähle ich natürlich nur selten.

Es gibt nämlich noch die andere Gruppe. Ein Klinikaufenthalt wird von gewissen Zeitgenossen als eine Art Gratis-Urlaub betrachtet. Und zwar einer mit Rundum-Service bis ins kleinste Detail. Das muss so eine Art Geheimtipp sein… Die Erwartungshaltung, die bei einem Teil der Patienten herrscht, ist gelinde gesagt ziemlich irritierend. Echt toll, diese Rundumversorgung, oder wie? Auf einmal muss man sich um GAR NICHTS mehr selber kümmern, das Pflegepersonal wird behandelt wie Putzlappen, die Ärzte wie persönliche Bedienstete. Was einem als Krankenschwester auf Station so alles passiert, spottet manchmal jeder Beschreibung. Weiterlesen