Schlagwort-Archiv: Intensivstation

Sommerirrsinn

Freitag – der letzte Tag vor meinem Urlaub. Der Sommer ist immer hart, und jedes Jahr wird er härter. Und diesen Freitag am härtesten.

7:30 ist die Übergabe fertig – wir haben sieben Patienten auf fünf kardiologischen Plätzen, zwei Überwachungsplätze, die voll belegt sind, und fünf Intensivpatienten auf fünf Plätzen (damit meine ich nicht die physischen Plätze, Betten und Zimmer gibt es hier genug, wir haben nur nicht alle offen wegen Pflegekraftmangel). Ich habe nur Personal für die genannten Plätze, und die sind nicht mal annähernd genug. Weiterlesen

Sunshine Story

07:25 – Stefan geht in die Notaufnahme, eine Patientin, 1974 geboren, Herzstillstand. Wir machen uns bereit, alle Apparate sind einsatzbereit, das Personal steht bereit. Im Bus zusammengebrochen, zufälligerweise neben einer Krankenschwester, die auf dem Weg zur Arbeit war. Die Akte ist leer, es gibt keine Aufzeichnungen. Die dreijährige Tochter war dabei, als Sina zusammenbrach. Die Polizei kümmerte sich um das Kind. Sina hat nach neun Minuten wieder einen lebensgebenden Rhythmus. Weiterlesen

Ein bitteres Ende

Martin… Martin, der mit 24 Jahren einen Herzstillstand bekam, was wurde aus Martin? Martin mit der schlechten Prognose, mit der Familie, die zerrissen, schlaflos bei uns herumwankte, Martin, der vor ein paar Wochen mit seiner Freundin Anja eine Eigentumswohnung gekauft hatte, gerade mit dem Studium fertig, sollte seinen ersten Job anfangen, Martin, dessen Chancen in einer Nacht ein Ende nahmen. Weiterlesen

Please hold the line…

Der Sommer hat angefangen. Nach vier Nächten bin ich so müde, dass ich nur noch Sterne sehe. Der Sommer ist immer chaotisch – ungefähr die Hälfte des Personals ist im Urlaub und wir haben einen bitteren Pflegenotstand. Wir sind gezwungen, die Bettenzahl zu reduzieren, während die Zahl der Patienten ungefähr gleich ist. Wir haben jetzt nur zwei Überwachungsplätze und fünf kardiologische Plätze. Weiterlesen

Gewonnen!

Simon ist auf den Tag genau sechs Monate jünger als ich und völlig gesund – bis auf eine Peridcarditis (Herzbeutelentzündung) vor einem Monat. Jetzt kommt er in die Notaufnahme mit ein paar Tagen Atemnot und allgemeinem Krankheitsgefühl. Alle Werte ziemlich schlecht, Atmungsfrequenz, Sauerstoffsättigung im Blut, alles nicht toll, der Puls ist hoch. Noch im Warteraum bricht Simon zusammen, wird grau, ein Herzstillstand. Im Akutraum Ultraschall, die ganze linke Lunge ist nicht luftführend, ein Masseneffekt, die linke Lunge ist ausgespannt und drückt auf das Herz, schiebt die Luftröhre nach rechts. Dass Simon so lange ausgehalten hat, ist unbegreiflich. Weiterlesen

Fortsetzung folgt?

Stefan ist zwei Monate älter als ich und liegt nach einem Herzstillstand bei uns. Stefans Frau brachte gerade die 10 Monate alte Tochter ins Bett, als sie zurückkam, lag Stefan tot auf dem Sofa. Helena rief sofort den Notruf an und begann mit Herzlungenwiederbelebung, der Notarztwagen traf ein und es dauerte 30 Minuten, bis Stefan wieder einen lebensgebenden Rhythmus hatte. Weiterlesen

Das war knapp!

Kai kommt kurz nach Mitternacht, 17 Jahre alt, er hat mit Freunden zusammen Ecstasy ausprobiert. Wahrscheinlich hatten die Jungs nur wenig Ahnung von der Dosierung, Kai hat 400 mg eingenommen und wiegt nur 75 kg, das ist lebensgefährlich. Er kommt mit hohem Puls und Blutdruck und einem kräftigen Temperaturanstieg bewusstlos in die Notaufnahme der Kinderklinik, hat Mageninhalt eingeatmet, wird unter hektischen Bedingungen intubiert und dann zu uns gebracht. Weiterlesen

Die Frau mit den neun Leben

Heute kommt eine Familie den Flur hinunter, zwei jüngere Frauen, eineiige Zwillinge, die eine Frau im Rollstuhl schieben. Die Frau erkenne ich nicht, aber die Zwillinge schon – das im Rollstuhl muss Karina sein. Karina, die acht Wochen bei uns war, Karina, die schwerstkranke Frau im septischen Schock, Karina mit den 1000 Komplikationen. Sie lag vor zehn Monaten bei uns. Karina mit den neun Leben… Weiterlesen

Take your sword and your shield… Happy New Year

Weihnachten ist bei uns meist Hochbetrieb. Auch das letzte Weihnachten war wirklich hart – zum einen sind wir immer zu wenig Krankenschwestern, zum anderen hatte letztes Jahr nicht nur die Grippe hart zugeschlagen, ungefähr drei Wochen zu früh, außerdem war das Norovirus in der Stadt ausgebrochen. Aber Weihnachten war noch gar nichts – das erfuhren wir, als wir zur Nachtschicht am Neujahrsabend kamen. Weiterlesen