Über Geschmack lässt sich (nicht) streiten – von kreativen Tattoos

Ich sehe recht viele Menschen nackt und entblößt, was bedeutet, ich sehe auch viele Tattoos. Ich habe selber keine und bin nicht unbedingt ein Fan davon, aber bitte, wenn andere es gerne mögen… Nur nehmen sie sich im Krankenhausmilieu manchmal ein bisschen anders aus,  man bekommt auch so manche zu sehen, die im Alltag nicht unbedingt sichtbar sind, und manchmal würde man auf den Anblick auch gerne verzichten… und manche machen einem sogar die Arbeit schwer:

Wir kennen alle das sogenannte “Arschgeweih”, das vor 15 Jahren so beliebt war. Schade nur, dass dann die Rückenbetäubung bei der Entbindung so schwierig wird, denn da sticht man ungern durch…

Dann gibt es diese wirklich eigenartigen Tattoos, wie bei dem Mann, der ein Rezept für Zimtschnecken auf seiner Wade trug (?!?). Oder der junge Kerl, der in der Neurochirurgie operiert wurde und die drei Buchstaben “FTP” auf der Brust hatte. Wir standen und rätselten, was das wohl bedeuten könnte, als der Neurochirurg in den Saal kam, kurz einen Blick auf den Patienten warf und trocken sagte: “Fronto-temporal natürlich!”

Die unzähligen Schmetterlinge, asiatischen Schriftzeichen, Delphine und Blümchen, die ich gesehen habe… die Namen und Geburtsdaten von Kindern, die arme Frau, die wahrscheinlich das Gesicht eines ihrer Kinder auf dem Arm haben wollte, das zu einer hässlichen Fratze entstellt war… Gesichter sind wohl nicht so einfach hinzukriegen… Alle diese Weisheiten, die da entblößt werden, die klugen Zitate und Worte über Liebe, Wahrheit und Mut…

Intime Tattoos? Auch zu haben: Der Mann, der über den ganzen Bauch eine Kuh in Rückenansicht hatte, die mit dem Schwanz schlenkerte. Der Bauchnabel war geschickt integriert, ihr dürft selber ausklügeln, wo der saß. Wirklich attraktiv.
Ein Patient, der ein Strichmännchen, das einen Rasenmäher schiebt, über dem Schamhaar tätowiert hat, ist vielleicht noch etwas amüsant, aber einer, der an der gleichen Stelle die Worte “Love me here” und einen Pfeil nach unten hatte, war dann doch etwas zu geschmacklos… besonders, wenn man den mit einem Katheter und einer Windel im Krankenbett liegen hat…