Von Gott und der Welt

Man hat immer wieder mal Patienten, die in ihrer eigenen Welt leben. Eine bestimmte Dame wird mir wohl immer im Gedächtnis bleiben, ungefähr 50, leicht eigenartig, und die brauchte ein MRI, das wurde bei der Visite besprochen, ja, dauert ungefähr eine Stunde, und dann meint sie, sie kann das nicht machen.

Leichte Verwirrung im Raum. “Ähhh, und warum nicht?”

“Was, wenn Jesus kommt und ich bin nicht hier?”

Fassungsloses Schweigen. Wir schauen uns verdutzt an. Hm, vor dieses Problem wurde ich jetzt auch noch nie gestellt, so hohen Besuch empfangen wir eigentlich eher selten.

Unser Herr Professor ringt um Fassung und sagt: “Diese Untersuchung ist aber wirklich wichtig.”

Nein, das geht nicht, Jesus könnte ja kommen. Die Neurochirurgen schauen mich hilfesuchend an (warum soll ICH das Problem eigentlich lösen? Warum muss ICH mich hier zum Affen machen??) und ich sage zögernd, “ich würde ihn dann runterschicken”, in der Annahme, ich hätte eine elegante Lösung für den doch recht unwahrscheinlichen Fall gefunden.

Ja, von wegen! Die Patientin schüttelt unzufrieden den Kopf und sagt, „nein, das geht auch nicht, was, wenn Jesus mich dort nicht findet???“

Meine Güte, das ist doch JESUS, der wird doch wohl das MRI im ersten Stock finden, denke ich etwas genervt, und wenn nicht, sollte er mal seine Berufswahl überdenken, und werde gleichzeitig von einem fast ununterdrückbaren Lachbedürfnis geplagt bei der Vorstellung, wie Jesus im langen weißen Hemd und mit Heiligenschein hilflos durch die Röntgenabteilung irrt und die Patientin nicht finden kann…

Die Neurochirurgen verlassen sich noch immer voll und ganz auf meine Fähigkeiten, und ich sage, “Also, ich würde ihn natürlich höchstpersönlich runterbringen.” Die Patientin nickt zufrieden. Na also, geht doch. Auch das Ärzteteam ist zufrieden – und geht, kaum dass wir den Raum verlassen haben, wie ein Mann an der Wand runter  vor Lachen.