Das erste Mal

Tobias ist erst vor sechs Monaten zu uns gestoßen, als fertiger Facharzt in Anästhesie und Intensivmedizin auf diese spezielle Intensivstation gekommen, die Kardiologie und Innere Medizin muss erst erlernt werden, dann ist es soweit – Tobias darf seine erste Schicht als Oberarzt gehen. Die neuen Oberärzte gehen immer erstmal nur Tagschichten, von 08:00 bis 18:00, keine Nachtschichten. Bis 12:00 ist der Oberarzt der vorigen Nacht noch anwesend, um 17:00 kommt der nächste erfahrene Oberarzt. Die neuen Oberärzte haben also fünf Stunden, die sie alleine schaffen müssen, in der Zeit haben sie aber immer einen Ansprechpartner via Telefon. Weiterlesen

Scheue keine Mühe, um eine Mühe zu scheuen…

Ich denke, jede Krankenschwester hat eine Kollegin wie Melanie – Melanie, die Meisterin des gesamten Universums in der Kunst, andere ihre Arbeit machen zu lassen.

Melanie ist langsam – so langsam, dass die Uhren stehenbleiben. Melanie geht langsam, sie streicht ihr Butterbrot langsam, sie SCHAUT langsam! Ich bin davon überzeugt, dass das zumindest zum Teil eine Strategie ist… Weiterlesen

Sieben Leben

Samstagnachmittag, Spätschicht. Astrid ist 60 Jahre alt und hat einen Herzstillstand erlitten. Sie brach am Vortag bei der Arbeit zusammen, Panik im Büro, der Notarztwagen traf ein, 45 Minuten bis zu einem tragenden Rhythmus. Das ist lang, viele Minuten sind verstrichen. Notaufnahme, Schockraum, ein CT des Schädels. Eine große Subarachnoidalblutung, ein Aneurysma, eine Gefäßmissbildung, die Astrid wahrscheinlich schon ihr Leben lang hat und die nie diagnostiziert wurde, ist gerissen. Die neurochirurgische Klinik hat eine Operation abgelehnt, die Blutung zu groß, die Prognose zu schlecht, der Herzstillstand zu lange. Weiterlesen

Kein Ausweg

Daniel ist 23 Jahre alt und hat versucht, sich zu erhängen. Seine Oma hat ihn gefunden, die Schlinge durchgeschnitten und den Notarzt gerufen. Als die bei Daniel eintrafen, war er ohne Puls, nach minutenlangen Wiederbelebungsmaßnahmen war ein tragender Rhythmus erreicht.  Weiterlesen

In die Hölle und zurück

Frank verlässt uns nächste Woche – Frank liegt seit zwei Monaten bei uns. Er kam zu uns vor viereinhalb Monaten, er war mit Lungenentzündung erst auf er Infektionsstation und landete dann innerhalb von ein paar Stunden hier. Bei uns verschlechterte sich sein Zustand rapide, intubiert, sediert, den Blutdruck hochgepeitscht, in Bauchlage gelegt, um die Sauerstoffaufnahme in den Lungen möglich zu machen. Als letzter Ausweg dann ECMO, die Herz-Lungenmaschine im Intensivbereich, und das innerhalb von sieben Stunden der stationären Aufnahme.

 Weiterlesen

Heute bist du wichtig

Der ganz normale Wahnsinn auf der Station – wir haben keine Plätze, auf der kardiologischen Intensivstation rasseln die Akutfälle herein. Wir machen vier bis acht jeden Tag, der Strom der Menschen mit Vorhofflimmern scheint unendlich. Ich hacke noch eine Nummer in den Computer – Stefan Stern.

 Stefan war in den letzten fünf Jahren siebenmal bei uns, ein junger Mann mit chronischem Vorhofflimmern. Ich kenne Stefan, habe ihn den letzten Jahren ab und zu mal gesehen. Weiterlesen