I’ll stand up if you stand up

Ich kann nicht auf der Intensivstation arbeiten. Mein Knie ist geschwollen, ich habe lange auf das MRT gewartet. Drei Wochen auf Krücken. Das MRT zeigte einen neuen Riss des hinteren Kreuzbandes, einen geschädigten Meniskus und ein Intrasubstanzhämatom im vorderen Kreuzband.

Ich tue, was alle tun können, ich tue, was ich kann. Ich bin inzwischen operative Chefin für alle Covid19-Stationen. Ich sorge dafür, dass klinisch alles läuft, dass wir genug Betten haben. Weiterlesen

Corona-Wahnsinn: Slipping through our fingers…

Die Intensivstation ist grauenvoll. Die Platzanzahl auf 18 erhöht, das Personal reicht nicht. Was wir tun, reicht nicht. Wir kriegen es nicht unter Kontrolle. Alle sind gleich – hohes Fieber, hoher Druck im Respirator, hoher Sauerstoffbedarf. Hohe Atmungsfrequenz. Es ist ARDS, acute respiratory distress syndrome, und doch ganz anders, als wir es kennen. Was wir tun, funktioniert nicht, und wir wissen nicht, was wir tun soll. Sie sterben unter unseren Händen, gleiten uns durch die Finger. Weiterlesen

Corona-Chaos

Corona. Covid19. Was bedeutet das?

Tausende von Toten. Jeden Tag. In ganz Europa.
Was bedeutet es für mich?

Ich habe zwei Tage damit zugebracht, eine Station für Covid19-Patienten fertigzumachen. Die Station ist stillgelegt seit zwei Jahren, wegen Pflegekraftmangel. Alles verlassen, nur Räume, sonst nichts. Wir brauchen Betten, Putzfrauen, Textilien. Wir brauchen Medikamente. Weiterlesen

Rund um die Anästhesie

Während meiner Weiterbildung im Bereich Anästhesie habe ich unter anderem seinerzeit einen Praxisblock absolviert, in dem es vor allem um die Vor- und Nachbetreuung der Patienten im Rahmen einer OP ging. Also Vorgespräche mit den Patienten führen, erklären, was auf sie zukommt, beruhigen, Fragen beantworten, hinterher im Aufwachraum betreuen, denn sowohl vor als auch nach einer Operation stehen die Menschen natürlich unter großem psychischem Stress. Fand gestern meine Aufzeichnungen unter meinen Unterlagen wieder – war ein wirklich interessanter Block! Weiterlesen

Sterben dürfen

Sterben ist nicht leicht. Meine 87 Jahre alte Patientin hatte einen Schlaganfall und jetzt hat sie eine Lungenentzündung. Schon zwei Nächte lang ging es ihr miserabel, man hatte schon entschieden, im Ernstfall keine Herz-Lungenwiederbelebung mehr zu machen, behandelte aber weiterhin aktiv die Lungenentzündung. Das ist eine Gradwanderung, man entscheidet, dass eine Behandlung noch Sinn macht, will aber keine heroischen Maßnahmen mehr ergreifen. Weiterlesen

Im Sinne des Patienten

Warum tun sich so viele Ärzte so schwer damit, einen Patienten sterben zu lassen? Machen sie sich nicht klar, dass das zum Beruf gehört? Dass man damit umgehen können muss? Fand gerade in meinem Tagebuch diesen Fall von vor Jahren während meines Auslandseinsatzes:

Ein Patient kommt aus der Intensiv auf unsere Station. 85 Jahre alt. Todkrank. Das Herz pfeift aus dem letzten Loch, Nierenkarzinom mit Metastasen, Lungenentzündung, Urinwegentzündung. Er steht auf NFR, keine Wiederbelebungsmaßnahmen, keine aktiven Maßnahmen, und das ist die einzig richtige Entscheidung. Der Mann ist zu krank, als dass wir ihm noch helfen können. Weiterlesen

Es gibt für alles ein erstes Mal…

Mal wieder eine Woche für eine Zeitfirma. Im Sommer war das behaglicher, eine schöne Stadt, Wärme, Sonne, nach der Arbeit Fahrradfahren oder Baden, oder ein nettes Restaurant aufsuchen. Im Winter ist das schon ein bisschen anders…

Aber die Intensivstation ist noch die gleiche, an die ich mich erinnere: Wirklich nette Kollegen, ein freundliches Arbeitsklima, gute Stimmung, Hilfsbereitschaft. Ich freu mich, wieder hier zu sein, und die, mit denen ich im Sommer gearbeitet habe, freuen sich auch. Und Intensivpflege macht mir einfach Freude. Weiterlesen

Die lieben Angehörigen

Das hier ist aus meiner Anfängerzeit – hui, an dem Tag muss ich schwer genervt gewesen sein! Heute wäre ich da sicher gelassener, aber dafür braucht man auch ein bisschen Erfahrung…

„Meine Mutter hat Bauchschmerzen!“ Irritiert gucke ich hoch. Oh nein, eine Abgesandte der griechischen Großfamilie, die offensichtlich meint, ihre Mutter wäre die einzige Patientin in der ganzen Klinik. „Seit einer Viertelstunde! Bauchschmerzen!!“

„Jaaa?“, frage ich etwas genervt. Weiterlesen

Mit gezücktem Rotstift

Wie jedes Jahr: Wir müssen sparen im Krankenhaus. Ich bin gestresst, alle sind gestresst. Jeden Tag landen neue Dokumente und Entscheidungen auf meinem Tisch. Wir haben das Budget weit überschritten. Das hat man scheinbar erst im September festgestellt, da waren die Zahlen kräftig rot, vorher hat man das wohl nicht gemerkt. Und jetzt kommen Sparpakete, Panik, Meetings, Diskussionen, wo können wir sparen? Es wird über Produktion gesprochen, womit eigentlich Krankenversorgung gemeint ist. Weiterlesen